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Iran-weibliche Sicht

 

Wir mussten essen von dem Moment an, an dem wir die Augen aufgemacht haben; letzte Mahlzeit dann  so 2 Uhr nachts. Die Familie hat sich so liebevoll um uns gekümmert, sogar unsere Wäsche wurde gewaschen. Vielleicht haben wir mit unserem Geruch auch die Luft verpestet, wir wurden nämlich gleich unter die Dusche gestellt! Am nächsten Tag wurden wir zur Tochter nach Teheran verfrachtet: Teheran, was für ein Moloch! Nachts um 12 noch einen Ausflug auf einen Berg am Stadtrand, hier völlig normal. Um 4 Uhr nochmal Obst essen und ins Bett – auch normal. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange wir gebraucht haben, um aus dieser Stadt wieder herauszufinden. Zwischendurch haben wir natürlich auch wieder Diesel gesucht.

Die Frauen hier leben ein genauso modernes Leben wie wir auch; zumindest in der Stadt. Nur in der Öffentlichkeit gibt es halt diese Kleidervorschriften, von Stadt zu Stadt in unterschiedlicher Strenge. Als ich beim Friseur (von außen nicht erkennbar, ich hatte schon gedacht, es gäbe im Iran keinen Friseur) war, sind mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen: Die Chefin war mit etwas mehr als Nichts bekleidet! Beim Schneiden sind die auch nicht zimperlich, ich hatte Angst davor in den Spiegel zu sehen. Für 20 € schneiden, färben und Brauen zupfen; letzteres hatte ich allerdings nicht bestellt – die wollten mich halt so nicht auf die Straße lassen. Noch dazu ohne Lippenstift.

In Qom gilt Vollmontur , nur das Gesicht darf rausgucken. Dort habe ich den Schrein der Fatima besucht – eigentlich nur für Muslime zugänglich – und ohne Mann. Die Frauen dort waren ziemlich fanatisch, ich war heilfroh, dass ich ein Stück größer bin als die iranischen Frauen und somit gut Luft bekommen habe. Es ist echt nicht lustig komplett schwarz eingehüllt mit Mantel bei 40° rumzulaufen. Inzwischen geht mir das ganz schön an die Substanz. Entweder eingewickelt draußen, oder ohne Hülle im geschlossenen Auto bei 50°.

Nach Qom haben wir an der Autobahn übernachtet. Danach waren wir in Kashan, eine  kleinere Stadt in der wir uns am nächsten Tag einiges ansehen wollten. Dann kam es aber leider zu unschönen Zwischenfällen und wir haben in der Nacht unsere Sachen zusammengepackt und haben uns einen Schlafplatz an der Autobahn gesucht. An den Lärm gewöhnt man sich irgendwann.

Gestern waren wir in Isfahan – eine wunderschöne friedliche orientalische Stadt. Auch mit dem Stellplatz auf einem Parkplatz mitten in der Stadt hatten wir Glück. (Für die Beschreibung der historischen Sachen ist Heiko zuständig). Und heute war ein Glückstag: Wir haben einen Laden gefunden, in dem man Brot kaufen kann und wir haben uns ein Hotel geleistet.

 

Nach 4 Tagen schwitzen ohne Dusche haben wir uns in einer Suite in einem Karawanserei-Hotel für 25€ eingemietet. Was für eine Wohltat! Und dann hat uns noch jemand einen Internetzugang verschafft, das ist hier alles nicht so einfach. Auch unsere Handys funktionieren im Iran nicht.

In den Ortschaften hier oder auch an den Straßenschildern sind Plakate von den gefallenen Soldaten angebracht: Hier bekommt der Krieg ein Gesicht. Das fühlt sich ziemlich anders an, als in der Zeitung einen Artikel zu überfliegen. Apropos Medien: Ich habe mir ja wirklich fast alles angesehen, was über den Iran berichtet wurde, und trotzdem hatte ich ein ganz falsches Bild von diesem Land. Alles ist so sauber und aufgeräumt, die Menschen sind extrem freundlich. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass es keinen Alkohol gibt.

So, morgen geht es weiter Richtung Yazd! Liebe Grüße Manu

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