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Vom Iran nach Pakistan

 

Am nächsten Tag sind wir, teils durch die Wüste über Schotterpisten, nach Bam gekommen. Sicher könnt Ihr Euch an das schlimme Erdbeben von 2003 erinnern, bei welchem 35.000 Menschen zu Tode gekommen sind. Die Festung dort hat riesige Ausmaße, gehört zum Weltkulturerbe und ist durch das Erdbeben leider größtenteils zerstört worden.

In Bam kam es uns ziemlich spanisch vor, dass um 22 Uhr keiner mehr auf der Gasse war; nach einem kurzen Rundgang durch die Stadt wurden wir von Soldaten zurück zu unserem Übernachtungsplatz in einem Hotelhof gebracht. Danger! Nur Gesindel und Verbrecher. Der Manager vom Hotel hat uns auch vom Zaun weggeholt – wir mussten im Licht schlafen. Ich muss meine Meinung zum Iran auch etwas revidieren. Das oben gesagte gilt nur bis Yazd; danach haben wir auch eine andere Seite erlebt; z. T. auch feindselig – da kam auch `mal ein „Fuck you“. Ab Bam war es für uns zu gefährlich im Freien zu übernachten.

Nach Bam wollten wir dann nach Mirjaveh zur Grenze; Wüste, Wüste und nochmal Wüste. Im Auto zentimeterhoher Sand in allen Fächern und Schubladen. Ein Königreich für einen Staubsauger! Jürgen meint, das könne man alles mitessen, das wirke wie Heilerde…..der Mann hat Nerven.

30 km vor Mirjaveh wurden wir an einem Checkpost abgefangen und bekamen einen Soldaten als Eskorte. Der Arme musste dann für uns einen sicheren Schlafplatz vor der Grenze (die schon geschlossen war) organisieren. Mit Hilfe der Polizei kamen wir nach ewigem Hin und Her im Hof des einzigen, aber geschlossenen Hotels unter. Die haben uns dort eingesperrt und die Pässe mitgenommen. Morgends hat uns die Polizei abgeholt und am nächsten Checkpost dem Militär übergeben. An diesem hing ein deutliches Schild: Down with Israel! Ich kann Euch nicht beschreiben wie man sich fühlt, wenn man zwischen 2 Ländern hängt, in einem gerade wieder zwei Bombenattentate und ein Erdbeben  im Zielgebiet und vor und hinter uns einen ziemlichen Hass auf den Westen. Aber kneifen ging nicht, wir mussten einfach weiter. Der Grenzübertritt hat ca. 5 Stunden gedauert, es war ein einziges Chaos. Einer ist mit den Carnets (Zollpapiere Auto) irgendwohin verschwunden, der nächste hat gerufen: Carnet, Carnet!! Von einem Büro ins nächste, wieder ins Auto, 1 km vor, wieder 1 km zurück – und im Auto 62°!!! Um 15 Uhr endlich auf der pakistanischen Seite in Taftan angelandet – und es kam noch schlimmer: Nach 14 Uhr keine Abreise von der Grenze weg, da der nächste Ort in der Wüste dann erst bei Dunkelheit erreicht wird. Also wurden wir in Taftan im Polizeihof der „Levies“ (spezielle Polizeitruppe in Belutschistan) eingesperrt. Wir haben dort einfach die Campingmöbel ausgepackt und „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt. Abends hatten die dann noch ein Spiel Bolleyball (ähnlich wie Volleyball); Heiko, Jürgen und Thomas haben zum Spaß der Polizeitruppe mitgespielt und ich habe meiner Rolle entsprechend Essen gemacht.

Dann kam der Supergau: Ich bin nachts aufgewacht: Erbrechen und Durchfall bis zum Abwinken. Irgendwann war mein Kreislauf so am Ende, dass ich alleine nicht mal mehr den Kopf heben konnte. Heiko war nur mit Putzen beschäftigt. Ich hatte nur noch einen Gedanken: Wenn ich kein Wasser in mich reinkriege, geht es mit mir zu Ende. Elotrans reingewürgt, kam natürlich postwendend wieder zurück. Dann kam auch noch Schüttelfrost; irgendwann bin ich vor Erschöpfung eingeschlafen. Was für ein Scheißtag, da kommt sie dann unweigerlich – die Frage: Was mach ich hier eigentlich????????

Vom nächsten Tag habe ich eigentlich nichts mitbekommen, ich lag hinten im Auto und habe nur geschlafen, mir war so übel. Auf dem Beifahrersitz einer der Levies mir einer Kalaschnikov auf den Knien. Bei Jürgen im Auto saß auch einer. Irgendwann sind wir in Dalbandin angekommen und wurden in einer üblen Absteige einkaserniert. Heiko hat auch sofort geschlafen, schließlich war er die ganze Nacht wegen mir auf den Beinen.

Mir ging es dann gestern morgen schon wesentlich besser, so daß ich auch endlich die vielen Kamele in der Wüste bestaunen konnte. Irgendwann kam dann ein Schild:“Warning! Sandy Area!“  Das ist doch `mal ein echt nützlicher Hinweis nachdem man tagelang in der Wüste rumfährt!!!! Natürlich hatten wir auch wieder Polizeischutz und an jedem Checkpost wird die Eskorte ausgetauscht.

Außerdem so alle 30 km: Sämtliche Daten in ein Buch eintragen, Heiko kennt unsere Passnummern und den ganzen Salat schon auswendig. Je näher wir gestern Quetta kamen, desto professioneller die Eskorte: Irgendwann war dann die AK 47 im Jeep auf dem Dach stationiert und dann ein gepanzerter Wagen. Der Vorteil in der Stadt: freie Fahrt; teilweise wurde der Verkehr wegen uns angehalten.

Jetzt sind wir im Bloom Star – Hotel untergebracht, wo wir gestern Abend zu Heikos Geburtstag ein Bier bekamen – das Erste nach fast 4 Wochen! Das Ergebnis: Die 3 Männer hatten heute Nacht Durchfall!

Wir hätten heute allerdings sowieso nicht weiterfahren können, da wir zu einer Registrierung zum Innenministerium mussten, natürlich wieder im Polizeijeep. Wir dürfen hier keinen Schritt alleine machen. Man muss aber auch Bedenken, dass hier das Talibanhauptquartier ist; die Behörden hier treiben einen ganz schönen Aufwand um uns zu schützen. Wie bekloppt muss man eigentlich sein, um in solch ein Land zu fahren?!?!

Hallo Elke, vielen Dank für deine Nachricht! Hoffentlich klappt das mit deinem Urlaub, aber wirst du in Costa Rica nicht die Zebras und so vermissen???

Viele Grüße  auch an die Vinzentinas, im Moment könnte ich hier ein bisschen Aufmunterung durch rote Nasen echt gebrauchenLächelnd

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