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Agonda by Manu

Die Schwestern saßen meist auf einem Sofa vor dem Fernseher. Da ich genügend Bakschisch bezahlt habe, bekamen wir auch Kaffee aus der Maschine (sonst nur für Schwestern und Ärzte zugänglich). 4 !!!!!Schwestern haben mir Kaffee rausgelassen und als die Maschine inkontinent wurde ( das scheint ein weltweites Problem zu seinJ),wurde die Putzfrau gerufen! Also in Indien wäre es für mich kein Problem bis 67 zu arbeiten. Der Knaller war ja echt, dass Heiko eine Antidekubitusmatratze bekam; vom Klinikchef höchstpersönlich angeordnet. Ich habe  ganze 2 Tage gebraucht um herauszufinden, wie das Kopfteil des Bettes verstellt wird: mit einem Vierkantschlüssel  am Fußende des Bettes. Also ich bin 1979 in die Pflege eingestiegen, da gab es bei uns sowas schon nicht mehr – und wohlgemerkt, wir waren in einer Privatklinik! Trotz allem bin ich den Ärzten dankbar, ich hatte stets das Gefühl, die wissen was sie tun.

Ansonsten leben wir hier am Strand ca. 50 m vom Meer entfernt  und genießen unser Dasein. Die meiste Zeit nehmen die alltäglichen Verrichtungen in Anspruch. Zu Hause dreht man einfach den Wasserhahn auf oder schaltet den Herd oder die Waschmaschine an. Hier ist das alles ziemlich kompliziert: Wasser und Gas müssen herbeigeschafft werden; Gas gibt es nur in Margao – ca. 1 Std. Fahrt mit dem Roller, den wir uns inzwischen gemietet haben. Ich habe echt keine Ahnung, wann ich zum letzten mal ohne Klamotten „geduscht“ habe. Morgens Wasser in die Sonne stellen, damit man sich abends damit (in Bekleidung) übergießen kann. Ein anderes Thema ist das Essen;  z. B. Tomatenbrot: Tomaten mit heißem Wasser (Wasser besorgen, kochen) übergießen, Brot kaufen, jede Menge Geschirr, also wieder Wasser kochen (kostet wieder Gas)…..Am Tag verbrauchen wir ca. 25 Ltr. Wasser, was interessiert einem das in Deutschland! Unsere Spezialität ist inzwischen Senfbrot mit Käse – das hätte mir mal einer zu Hause vorsetzen sollen – hier der absolute Luxus! Dank unserer Nachbarn aus dem Baskenland haben wir auch eine ziemlich fette würzige Wurst entdeckt (Chorizo halt).

Was uns so richtig fehlt ist ein gescheites Bier ohne Zutaten aus dem Chemiebaukasten…“chemical invasion, fight for the right to drink your beer“…. und `ne Bratwurst wäre auch nicht schlecht!

Ein anderes Problem: Wir haben in den drei Monaten, in denen wir jetzt unterwegs sind, unsere komplette Muskelmasse verloren. Die Strecke, die ich hier am Tag zurücklege, erledige ich zu Hause in 30 Minuten. Es ist einfach zu heiß um sich sportlich zu betätigen. Corinna wird ihre wahre Freude an mir haben, wenn ich wieder zurück bin; sie kann mich wahrscheinlich für alle Patienten die nicht im Erdgeschoss wohnen  erstmal vergessenJ

Letztes Wochenende hatten wir Besuch von unserem Freund Salman und Ajer aus Bangalore. Das war eine nette Überraschung.

Wir stehen hier am Meer am Strand unter Palmen, wir können alles organisieren was wir zum Leben brauchen, wir treffen nette Menschen und trotzdem ist es nicht wie im Paradies: Jedesmal wenn wir uns von einem Genickschlag erholt haben, kommt sofort der Nächste. 2013 scheint kein gutes Jahr zu sein und ich kann nur hoffen, dass das nächste besser wird. All meine Gedanken sind bei meiner Freundin Christa und ihrer Familie. Bitte haltet mich auf dem Laufenden!!!! Atze, der an meinem Geburtstag bei unserem Wohnzimmerkonzert gesungen hat, verlor seinen Kampf gegen den Krebs am Donnerstag. Mach´s gut, wo immer du jetzt auch bist.

 

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