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Moscheen, Petrijünger, Kindergarten

Eine der Touren führte uns die Beach Road herunter, entlang der „look in my shop“-Meile hoch zum Leuchtturm, um diesen herum, entlang der felsigen Küste zum Vizhnjam fishing harbour.

Als wir vor vielen Jahren das erste Mal hier waren standen dort auf der einen Seite eine kleine Moschee, auf der anderen Seite eine kleinen Kirche.

Ich weiß nicht, wer begann, doch auf den Bau der großen St.Mary Kirche folgte der Bau der neuen großen Moschee, oder eben anders herum. Jetzt stehen auf der einen Seite drei Moschee, wobei ich davon ausgehe, dass das neueste Gebäude eine Medresse ist, auf der anderen Seite zwei Kirchen plus katholisches Gemeindezentrum. Die kleine Fischerkirche, mit angrenzendem Friedhof, steht aber immer noch unmittelbar hinter den Anlegestellen und passt auch hervorragend ins Gesamtbild. Beide Kirchen sind neben                       Maria  („Virgen del Carmen“) dem hl. Antonius geweiht. 

Der hl. Antonius war Portugiese und wurde von selbigen mit nach Indien gebracht(ideologisch natürlich), zudem hat er den Fischen gepredigt, als die Menschen nicht zuhören wollten…also gerade der richtige für ein Fischerdorf. Wer mehr wissen will schaut einfach bei Wikipedia, ich möchte hier ja nicht den Oberlehrer spielen.  

Am Hafen kamen wir zu einer guten Zeit an…der heftigste Fischgestank war bereits verflogen (die Fischer sind in der Regel von 2-8 Uhr auf dem Meer); durch die schmalen verwinkelten Gässchen  ging es hinauf zur großen Kirche.

Auf dem Weg vor uns ein kleiner Junge, fein heraus geputzt mit akkuratem Seitenscheitel, mit einem Kreuz in der Hand, dessen Mutter ihm Gebete beibrachte, für jede richtig nachgesprochene Zeile durfte er in die Chipstüte greifen...es hat ihm sichtlich Spaß gemacht…weniger Spaß gemacht hat ihm allerdings dann später der große (ja in Indien bin ich groß!) weißbärtige Mann, der in der Kindergartentür stand.              

Doch der Reihe nach: Die beiden führten uns durch den Gassenwirrwar zur Kirche, wo wir uns zum Abkühlen eine Zeit lang niederließen.  Auf dem Weg nach oben, ist schon eine Berg-und Talstrecke hier, kamen wir an einem kleinen Eckgebäude entlang, aus dem lautes Kindergeschrei tönte, aber keines der fröhlichen Art.

Eine Frauenstimme übertönte dies aber und rief  „Hallo.Please come!!...es war die Kinderpflegerin (hier schlicht „helper“ genannt) des Kindergartens. Und die Jungen schrien schlicht und ergreifend  weil sie nicht dableiben wollten, sondern wieder mit der lachenden Mama nach Hause. Denn zuhause haben sie oft „Narrenfreiheit“, hier müssen sie einer Frau gehorchen. Die Mamas dachten sich wohl: Seht nur zu, wie ihr mit dem klar kommt.

Und das funktioniert so. Wenn das auf den Arm nehmen und trösten nicht hilft, gibt’s einen Stuhl in der Küche, gleich neben Jessy, der mütterlichen „helperin“, falls das nicht fruchtet: Ab in den Nebenraum  bzw. Toilettenvorraum, ca. 4 qm groß, bis Ruhe ist.

Schließlich sitzen, ja sitzen, jeder auf einem kleinen Plastikstuhl, hier auf ca. 16 qm bis zu 24 Kinder vor dem Pult der Erzieherin (hier „playschool teacher“) und warten still  bis diese kommt, bisweilen bis alle Kinder da sind. An der Wand hängen einige Schautafeln mit Tieren, Buchstaben, dem Leben Gandhis in Bildern und Brettspiele wie Leiterschlange oder Pferderennen.

Die Lehrerin spricht leider nicht viel Englisch, die „Unterrichtssprache“ ist Malayallam; für besser Verdienende gibt es zweisprachige Kindergärten, es kann schon passieren, dass man hier einem 6-jährigen begegnet, der schon recht gut Englisch spricht.

Sie fragt uns, ob wir nicht ein wenig Saft, als Abwechslung zum Milchtee, für die kids besorgen könnten und einige Süßigkeiten. Also die Straße rauf zum nächsten kleinen shopee. Der hat mit 24 kleinen Saft- und einer großen Colaflasche nebst Keksen, glaub ich, in 5 Minuten seinen regulären Tagesumsatz locker erreicht, der Inhaber strahlt auf jeden Fall.

Zurück werden die Getränke verteilt, die großen Kinder helfen den kleineren, die Mädchen sind immer noch andächtig still und brav, die Jungs beginnen mit ihren Flaschen herumzualbern…voll normal eben.

Wir bekommen selbst gemachte Kekse („Müslikekse“, back ich seit Jahren auch mit die Kinnäss)…doch immer noch werde ich von vielen argwöhnisch beäugt. Mit Manu dagegen haben sie keine Probleme.  Als der Mund leer ist und aufgeräumt , singen sie uns ein Lied vor. Die Lehrerin singt eine Zeile vor, mit entsprechenden Bewegungen, die Kinder singen nach.

Und jetzt kommts: Sie bitten uns ein Lied vorzutragen. Manu gibt den Kelch lächelnd an mich weiter. Und während ich „Bin ich aufgewacht“, ja mit den entsprechenden Bewegungen, zum Besten gebe, beginnen sich die Gesichter aufzuhellen und lächeln mich an…endlich jemand, der meine Gesangskünste zu würdigen weiß…vielleicht auch weil die Stimme der Lehrerin keine angenehmen Frequenzen bediente.

Anschließend wurden noch Fotos gemacht und wir versprachen Abzüge vorbei zu bringen. Gestern waren wir in Trivandrum und haben für den Kindergarten Spiele, Bücher und Stifte gekauft (liebe Sponsoren, jetzt wisst ihr wo ein Teil des Geldes hingeht) und werden die am Anfang nächster Woche vorbei bringen…mit der Gitarre, wenn ich schon mal Publikum habe Lächelnd

Leider brennt mittlerweile die Sonne erbarmungslos vom Himmel während wir uns auf de Rückweg nach Kovalam machen, entlang des Highways, denn nach 12 Jahren wollen wir endlich das Aquarium besuchen…doch angekommen blicken wir nur noch auf Ruinen…wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

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